Immobilienkredit, Zinsen – wohin geht die Reise?

Immobilienkredit, Zinsen – wohin geht die Reise?

Deutschland – ein Eldorado für Häuslebauer?

Für alle, die einen Immobilienkredit benötigen, scheint Deutschland heutzutage ein Paradies auf Erden zu sein:
Einige Kreditinstitute vergeben einjährige 1000 € Kredite für nur -0,5%.
Das bedeutet, dass man nur 995 € zurückzahlen muss, während eine 250.000 € Hypothek für etwa 0,5% für 10 Jahre abgeschlossen werden kann.

Voraussetzungen für einen Immobilienkredit

Allerdings: Nur seltenen Fällen finanzieren Banken die komplette Immobilie. In der Regel muss der Kreditnehmer eigenes Geld in die Finanzierung einbringen.
Es gilt: Je mehr Eigenkapital vorhanden ist, desto bessere Kreditkonditionen kann der Kreditnehmer erwarten. Ein Eigenkapitalanteil von mindestens 20 bis 30 Prozent ist ratsam, um möglichst günstige Zinsen zu erhalten.

Immobilienkredit - Geldschein

Für einen Immobilienkredit benötigt man

ein regelmäßiges Einkommen

einen festen Wohnsitz (in Deutschland)

Mindestalter

Bonität

Und dann gibt es noch die andere Seite der Medaille:

Sparer erhalten überhaupt keine Rendite auf ihr Geld,
und
die Banken erwägen, diejenigen zu abzustrafen, die mehr als 100.000 Euro auf ihren Konten halten. indem sie die ihnen von der Europäischen Zentralbank auferlegten negativen Zinssätze weitergeben.

 

Krisenmodus und kein Ende…

Die Ära der extrem niedrigen und schließlich negativen Zinsen in Europa begann, als die EZB gegen die globale Finanzkrise kämpfte. Die wurde durch den Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 und die darauf folgende europäische Staatsschuldenkrise in den darauf folgenden Jahren ausgelöst.

Die unmittelbaren finanziellen Schocks dieser Krisen waren relativ schnell überwunden.
Aber ein Jahrzehnt später sind die Auswirkungen auf die Realwirtschaft trotzdem weiterhin spürbar: Niedrige Inflation und gedämpftes Wachstum.
Das erforderte weitere unkonventionelle politische Maßnahmen wie negative Zinssätze.

Negativzinsen für den Immobilienkredit?

Ein Auslöser für die EZB, den Leitzins im September auf ein Rekordtief von -0,5% zu senken, war ein erneuter Rückgang der Inflationsrate der Eurozone auf 1% im August. Das lag deutlich unter dem Ziel der Zentralbank. Darüber hinaus musste die Bank ihre Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr nach unten korrigieren und prognostizierte ein Wachstum von knapp über 1%. Auch das liegt deutlich unter dem natürlichen Potenzial der Wirtschaftleistung der EU.

Leitzinsen? Bleiben, wo sie sind!

“Der EZB-Rat geht nun davon aus, dass die Leitzinsen der EZB auf ihrem derzeitigen oder niedrigeren Niveau bleiben werden, bis sich die Inflationsaussichten robust auf ein Niveau annähern, das ausreichend nahe, aber unter 2 % liegt”, fügte die EZB und ihr ehemaliger Präsident Mario Draghi hinzu, dass “es jetzt höchste Zeit ist, dass die Finanzpolitik die Verantwortung übernimmt”, um das Wachstum zu fördern.

Mach `was sinnvolles mit deiner Knete!

Ein negativer Einlagenzins soll die Kreditgeber ermutigen, mit ihrem Geld etwas Nützlicheres zu tun, als es bei der EZB zu parken. Negativzinsen sollen auch dazu beitragen, den Euro zu schwächen.
Dadurch würde den Exporteuren der Eurozone eine gewisse Hilfe geleistet und die Preise im Inland angekurbelt, indem sie die Importe verteuern. Höhere Staatsausgaben zielen auf die Ankurbelung der Wirtschaft ab.
Das ist nötig, weil sie nach einem Jahrzehnt mit nur moderatem Wachstum derzeit ins Stocken gerät oder sogar nachlässt.

Strukturelle Probleme

„The Donald“ – trägt er die Schuld?

Es ist schwer, negative Zinsen auf ein bestimmtes “Ereignis” zurück zu führen. Außer, wenn man glaubt, dass die Handelskriege von Donald Trump dem globalen Wachstum einen verheerenden Schlag versetzen werden.

Stattdessen verweisen die Investoren, Ökonomen und Politiker zunehmend auf langfristige strukturelle Probleme. Sie machen diese für die Tendenz zu negativen Zinsen verantwortlich. Sie zitieren demographische Daten und behaupten, dass die alternde Bevölkerung der europäischen Länder die Nachfrage dämpfen könnte. Es wird auch darüber spekuliert, dass technologische Innovationen die Preise nach unten drücken könnten.

Andere reden von einer „säkulare Stagnation“: Wenn eine niedrige Nachfrage und eine zögerliche Investitionstätigkeit eine sich selbst verstärkende Abwärtsschleife schaffen.
Oder einfach ausgedrückt: Dank der Überflutung der Märkte durch die Zentralbanken mit billigem Geld gibt es einfach nicht genügend Möglichkeiten, es gewinnbringend zu nutzen.

 

Wann ist es endlich genug?

Die Frage ist eigentlich: wie lange kann ein negatives Zinsumfeld andauern, bevor es der Realwirtschaft schadet?

Im August veröffentlichte Untersuchungen von Ökonomen aus den USA fanden “robuste” Hinweise darauf, dass das Wachstum der Bankkredite in Ländern mit negativen Zinsen bereits schwächer ist.

Bei so niedrigen Zinssätzen wie in Europa entspricht die Rendite von Krediten oder anderem Fremdkapital nicht dem Risiko für Geschäftsbanken. Das führt dazu, dass teurere Eigenkapitalfinanzierungen die einzige Finanzierungsquelle sind.
Dadurch erhöhen sich die Gesamtkosten von Projektfinanzierungen. Auf diese Art und Weise kommen potenziell wachstumsfördernde Projekte nie in Gang.

Wachstumsbremse

Darüber hinaus schätzt der Bundesverband deutscher Banken, dass europäische Kreditgeber für ihre überschüssigen Einlagen bei der EZB 7,5 Mrd. € pro Jahr zahlen. Im Gegensatz dazu verdienen US-Banken aufgrund eines positiven Zinsumfelds immer noch Milliarden von der US-Notenbank für ihre Beteiligungen.

“Es ist eine beträchtliche Belastung für Banken, die es für nicht praktikabel halten, diese Kosten an ihre Privatkunden weiterzugeben”, sagte der Direktor des Verbandes, Volker Hofmann.

Trotz der negativen Auswirkungen schätzen Fachleute, dass Europa “weitere acht Jahre” mit negativen Zinssätzen konfrontiert sein könnte.
Weiter:
Die Geldpolitik mag in der Lage sein, eine Rezession hinauszuschieben, aber letztendlich glaubt niemand, dass sie eine Rezession verhindern kann.

Der Weisheit letzter Schluss

Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.

Soll heißen: Die Gruppe der Sparer wird sich wahrscheinlich eine andere Anlagemöglichkeit suchen müssen, als ausgerechnet ihr Sparbuch. Die Gruppe der Häuslebauer können frohlocken: Wahrscheinlich bleiben ihnen die niedrigen Zinsen für den Immobilienkredit weiterhin erhalten.

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